20 Jahre Sozialpädagogisches Betreuungszentrum „Windbreaker“ in Halberstadt

Emotionale Momente beim Ehemaligentreffen: „Das war eine richtig gute Zeit hier“

(Halberstadt) Es waren emotionale Momente, als am vergangenen Samstag ehemalige Bewohnerinnen des Sozialpädagogischen Betreuungszentrum „Windbreaker“ in Halberstadt mit ihren ehemaligen Betreuerinnen zusammentrafen. Die Kolleginnen des Sozialpädagogischen Betreuungszentrums „Windbreaker“ der Paritätischen Sozialwerke GmbH Sozialwerk Kinder- und Jugendhilfe hatten anlässlich des 20-jährigen Bestehens zum Ehemaligentreffen geladen.

Die Wiedersehensfreude war groß, waren doch zum Teil 20 Jahre vergangen, seit einige der Bewohnerinnen ausgezogen sind. Unter ihnen war auch Anika Schmelzer.

Die junge Frau sagt heute: „Es war eine sehr schöne Zeit, die mich positiv geprägt hat. Heute kann ich das so sagen. Damals fand ich es doof hier.“ Die geltenden Regeln, das regelmäßige „Zur Schule gehen“, feste Ausgangszeiten, Handyverbot – die Betreuerinnen hätten sie damals echt genervt. Sie sei auch abgehauen, da sie es nicht ertragen konnte. Aber „ich bin immer wieder gekommen. Ich wusste ja, dass die Betreuerinnen es gut mit mir meinten“, resümiert sie.

Anika Schmelzer hat heute selbst drei Kinder. Ihre Tochter hat sie in ihrer „Sturm und Drang“-Zeit bekommen. Da sei sie selbst noch ganz jung gewesen und es waren andere Dinge wichtig. Das war kurz nach ihrem Auszug aus dem Windbreaker und dem sich anschließenden Betreuten Wohnen. Die große Tochter lebt heute bei der Großmutter. Zu beiden bestehe ein guter Kontakt. Die anderen beiden Kinder spielen während des Treffens im Garten des Windbreaker mit anderen Kindern von ehemaligen Bewohnerinnen Verstecken und Fangen.

Anika Schmelzer ist froh, dass sie damals die Zeit im Windbreaker hatte. Mit ihren Bezugsbetreuerinnen Gabriele Radtke und später Babett Kleßen hat sie heute ein herzliches Verhältnis. Gabriele Radtke bezeichnet sie als ihre „Ersatzmami“. Anika habe immer einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn gehabt, erinnert sich Gabriele Radtke. Den hätte sie immer noch, wirft Anika Schmelzer schmunzelnd ein. Anika Schmelzer hat letztes Jahr geheiratet, hat mit ihrem Ehemann einen Ruhepol an ihrer Seite.

Nach einer Lehre zur Malerin und Lackiererin hatte sie es schwer, einen festen Job zu finden. Schließlich sei sie eine Frau in einem Männerberuf. Frauenumkleide- und Frauensanitäranlagen hätten die meisten Betriebe nicht bieten können. So kam es, dass sie sich mit einer Sicherheitsfirma selbständig gemacht habe. Auch hier musste sie sich als Frau in einer Männerdomäne behaupten – mit Erfolg. Nachdem ihr drittes Kind geboren war, ließ sie die Sicherheitsbranche hinter sich und betreibt nun eine Firma für Ladenbau und Häuserrenovierung. Nebenbei renoviert und saniert sie mit ihrem Mann das eigene Haus.
Und ihre Träume? §Ich würde gern eine berufsbegleitende Ausbildung zur Erzieherin machen und in der stationären Jugendhilfe arbeiten“, sagt Anika Schmelzer. Vor allem, da sie selbst wisse, wie wichtig feste und verlässliche Bezugspersonen für Jugendliche in der Pubertät sind. Und später – wenn die Kinder groß sind – würde sie so gern mit ihrem Mann ein Haus in Spanien kaufen und dort bleiben. „Das dauert aber noch etwas“, sagt sie augenzwinkernd und springt auf, um ihrem Sohn hinterherzulaufen, der beim Fangenspielen mit den anderen Kindern nicht zu halten ist.

Das Sozialpädagogische Betreuungszentrum „Windbreaker“ besteht seit 1998 im Halberstädter Akazienweg. Es handelt sich hierbei um eine stationäre Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung für Mädchen sowie für Mütter oder Väter mit ihren Kindern. Pädagoginnen, Psychologinnen und Hauswirtschafterinnen sorgen für die nötige professionelle Unterstützung der Bewohnerinnen und Bewohner sowie ihrer Familien.